##WAT26
Westfälischer Archivtag in Castrop-Rauxel 2026 hat begonnen #WAT26
March 17, 2026 at 10:25 AM
#WAT26 Sichtbarmachung v. Diversitäten eine archivische Kernaufgabe?
March 17, 2026 at 3:17 PM
#WAT26: Eröffnungstalk “Archive als Fels in der Brandung? Garantieren Archive wirklich ‘unverfälschte und authentische Informationen’?” archivamt.hypotheses.org/29957
#WAT26: Eröffnungstalk “Archive als Fels in der Brandung? Garantieren Archive wirklich ‘unverfälschte und authentische Informationen’?”
Der Eröffnungstalk des Westfälischen Archivtages 2026 in Castrop‑Rauxel widmete sich drängenden Fragen, die Archive heute zwischen gesellschaftlichen Erwartungen, politischen Interessen und technologi...
archivamt.hypotheses.org
March 19, 2026 at 3:11 PM
Lehren aus dem 1. Tag ##WAT26: 1. Archive dzehen für Authentizität und Fachlichkeit in der Drmokratie 2. Wrbarchivierung geht nicht mehr weg 3. Sichtbarmachung v. Diversität gilt für alle archivischen Kernaufgaben 4. Castrop-Rauxel: Der orden ist lunksund reich, der Süden arm, aber sexy
March 17, 2026 at 5:46 PM
#WAT26: Tagungsbericht
**Rückblick auf den 77. Westfälischen Archivtag: Zwischen digitaler Souveränität und klimatischem Wandel ** von Arnold Otto Vom 17. bis 18. März 2026 wurde die Europahalle in Castrop-Rauxel zum Zentrum der westfälischen Archivwelt. Rund 250 Kolleginnen und Kollegen trotzten den Streiks im öffentlichen Nahverkehr, um sich unter dem Leitthema „Fachgerechtes (Web)Archivieren, speichern und lagern“ die neuesten Erkenntnisse aus dem westfälischen Kollegenkreis anzuhören und dazu auszutauschen. In einer Zeit, in der das Vertrauen in staatliche Instanzen bröckelt und kulturelle Identität zunehmend im digitalen Raum verhandelt wird, stellte die Eröffnungspodiumsdiskussion eine provokante Frage: Sind Archive wirklich noch der „Fels in der Brandung“, der unverfälschte und authentische Informationen garantiert? Die Antwort darauf ist eng mit der technologischen Entwicklung verknüpft. Angesichts einer zunehmenden Flut von Fake News wurde deutlich, dass Archive ihre Rolle als Validierungsinstanzen offensiv wahrnehmen müssen. Hierbei spielt die Künstliche Intelligenz (KI) eine Doppelrolle: Während KI-Werkzeuge den Arbeitsalltag bereits massiv erleichtern, warnen Fachleute vor „digitalen Halluzinationen“. Die Lösung liegt in der Souveränität über die Daten: Archive müssen ihre validen Datensätze aktiv in KI-Strukturen einspeisen, um die Deutungshoheit über digitales Wissen nicht allein globalen Konzernen zu überlassen. Ein wichtiges Mittel zur korrekten Bestandsbildung neuer Überlieferungsformen ist die Webarchivierung. Da das Internet eben doch „vergisst“, arbeiten Projekte wie WebarchivNRW daran, flüchtige Inhalte von Landesbehörden und Kommunen im standardisierten WARC-Format zu sichern. Noch im Laufe des Jahres 2026 soll ein gemeinsames Präsentationsportal online gehen. Doch die Technik stößt an Grenzen: Während klassische Webseiten gut erfassbar sind, bleibt die Archivierung von Social-Media-Plattformen eine störanfällige Herausforderung, bei der Crawler oft ohne ersichtlichen Grund abbrechen. Archivare fordern hierbei ein Umdenken: Archivierte Webseiten sollten idealerweise direkt von zu Hause aus und nicht nur im physischen Lesesaal abrufbar sein. Damit diese digitalen Datenmengen dauerhaft sicher verwahrt bleiben, rückt die Infrastruktur in den Fokus. Die elektronische Archivierungslösung DiPS.kommunal spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da sie auch kleineren Gemeinden die Bewältigung dieser Pflichtaufgabe ermöglicht. Trotz der damit verbundenen Kosten ist das System unverzichtbar und wird stetig weiterentwickelt. Aktuell stehen die Anpassung an neue Nestor-Standards sowie die Implementierung der Schnittstelle XDOMEA 4 im Vordergrund. Um die Anwender nicht allein zu lassen, bietet das DiPS-Team künftig monatliche Beratungstage für die komplexen Ingest-Prozesse an. Neben der Technik bleibt der „Faktor Mensch“ die wichtigste Ressource. Das neue Mentoring-Programm des VdA setzt hier an: Erfahrene Mentoren unterstützen Mentees – von Berufsneulingen und Auszubildenden bis hin zu Kolleginnen und Kollegen in Einpersonenarchiven – in einem kollegialen Austausch. Doch Professionalität setzt schon früher an: Auch die Bedeutung der Auftragsausbildung in NRW wurde hervorgehoben. Wer junge Fachkräfte gewinnen will, muss frühzeitig planen: Die Bewerbungsphasen starten bereits 15 Monate vor Ausbildungsbeginn. Diese frühe Bindung an den Archivträger ist eine wesentliche Chance im Wettbewerb um qualifizierten Nachwuchs. Auch rechtlich stehen die Zeichen auf Veränderung. Mit Dr. Tobias Hermann hat das Landesarchiv NRW seit Dezember 2025 eine neue Spitze. In seiner kurzen Antrittsrede mahnte er eine abgewogene Bereitstellung von NS-Unterlagen im Internet an und dankte den Beteiligten für den Entwurf zum neuen Landesarchivgesetz NRW, der anschließend von Mark-Alexander Steiner (LVZ-AFZ) vorgestellt wurde und die Rolle der Archive massiv stärkt, indem er ihnen den Vorrang vor anderen Vorschriften einräumt und mehr Mitsprache bei technischen Standards für die Datenübermittlung sichert. Projekte wie das Themenportal „Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts“ zeigen zudem, wie die Digitalisierung genutzt werden kann, um Desiderate in der Forschung zu schließen. Abgerundet wurde die Tagung durch die Auseinandersetzung mit klimatischen Herausforderungen. Der Anstieg der Anzahl „tropischer Nächte“, in denen die Temperatur nicht unter 20°C sinkt, entzieht vielen passiven Kühlkonzepten in Magazinen die Grundlage. Archive müssen daher zunehmend auf eine risikobasierte Lagerung setzen und moderne Hilfsmittel wie Saugroboter zur Magazinhygiene nutzen, um Schimmel und Schädlingen den Nährboden zu entziehen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der 77. Westfälische Archivtag eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, dass Kernaufgaben wie die Bestandserhaltung und Magazinplanung das unverzichtbare Rückgrat der Überlieferungsbildung für eine verantwortungsbewusste Erinnerungskultur bilden. Mit einer Führung durch die denkmalgeschützte Architektur der Stadt- und Europahalle von Arne Jacobsen endete die Tagung und richtete den Blick bereits auf das kommende Jahr: Der 78. Westfälische Archivtag wird am 16. und 17. März 2027 in Paderborn stattfinden. Ein ausführlicherer Tagungsbericht wird im 105. Heft der Archivpflege für Westfalen-Lippe erscheinen. * * * OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren: Luisa Goldammer (23. März 2026). #WAT26: Tagungsbericht. _archivamtblog_. Abgerufen am 23. März 2026 von https://archivamt.hypotheses.org/30137 * * * * * * * *
archivamt.hypotheses.org
March 23, 2026 at 12:29 PM
#wat26: Eröffnungstalk “Archive als Fels in der Brandung? Garantieren Archive wirklich ‘unverfälschte und authentische Informationen’?” https://archivamt.hypotheses.org/29957
#WAT26: Eröffnungstalk “Archive als Fels in der Brandung? Garantieren Archive wirklich ‘unverfälschte und authentische Informationen’?”
Der Eröffnungstalk des Westfälischen Archivtages 2026 in Castrop‑Rauxel widmete sich drängenden Fragen, die Archive heute zwischen gesellschaftlichen Erwartungen, politischen Interessen und technologischen Umbrüchen bewegen. Unter dem Leitmotiv „Archive als Fels in der Brandung?“ diskutierte das Podium, wie Archive ihre Rolle in einer zunehmend komplexen Informations‑ und Erinnerungslandschaft behaupten können. Auf dem Podium sprachen **Dr. Barbara Rüschoff‑Parzinger** , Landesrätin für Kultur des Landschaftsverbandes Westfalen‑Lippe (LWL); **Rajko Kravanja** , Bürgermeister der Stadt Castrop‑Rauxel; **Dr. Michaela Stoffels** , Referentin für Kultur und Bildung beim Deutschen Städtetag; sowie **Dr. Michael Ruprecht** , Stadtarchivar von Leipzig und Vorsitzender des Verbands deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA). Die Moderation übernahm **Prof. Dr. Marcus Stumpf** , Leiter des LWL‑Archivamts für Westfalen. Drei Themenbereiche prägten das Gespräch inhaltlich: die Rolle der Archive in einer zunehmend polarisierten Erinnerungskultur, der besondere Wert authentischer Informationen im KI-Zeitalter und die Herausforderungen der digitalen Langzeitarchivierung. Im Folgenden werden einige zentrale Aspekte des Talks kurz skizziert. v.l.n.r.: Prof. Dr. Marcus Stumpf, Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Rajko Kravanja, Dr. Michaela Stoffels, Dr. Michael Ruprecht (Foto: LWL-AAW, Lienkamp) ###### „Es ist rauer geworden!“ (Rüschoff‑Parzinger) Alle Diskutierenden berichteten aus ihren unterschiedlichen beruflichen Perspektiven, dass der kulturpolitische Diskurs auch in den Kommunen spürbar rauer geworden ist. Konflikte um Straßennamen, die laufende Auseinandersetzung mit dem Thema Kolonialismus, das Gedenken an den Nationalsozialismus oder Debatten über die grundsätzliche Rolle zivilgesellschaftlicher Initiativen zeigen, dass Erinnerungskultur längst kein konfliktfreies Feld mehr ist. Gleichzeitig bleibt sie zentral für das demokratische Selbstverständnis, weil sie Identität stiftet und gesellschaftliche Orientierung bietet. Michaela Stoffels verwies in diesem Zusammenhang auf das Positionspapier des Deutschen Städtetages „Erinnern ist Zukunft. Demokratie stärken mit Erinnerungskultur“ (2023), das die Bedeutung kommunaler Erinnerungspraxis und die Rolle von Gedächtniseinrichtungen ausdrücklich hervorhebt. Gerade deshalb, so der Tenor, sollten Archive sich bewusst als sichtbare Orientierungspunkte und als „Fels in der Brandung“ positionieren: als transparente Institutionen, die historische Expertise einbringen, Zugang zu Quellen schaffen und damit zu einer Versachlichung öffentlicher Debatten beitragen können. Um sich gegen politische Vereinnahmung oder Kritik zu behaupten, sei es entscheidend – so betonte insbesondere Ruprecht –, die eigene Neutralität durch die Befolgung fachlicher Standards, konsequente Transparenz und aktive Vermittlungsarbeit zu unterstreichen. Er verwies in diesem Zusammenhang auch auf die „Fuldaer Erklärung“ (2025) des VdA und deren klares Bekenntnis zu einem freiheitlich‑demokratischen Rechtsstaat. ###### „Lasst uns die Quellen bereitstellen.“ (Ruprecht) Ein zweiter Schwerpunkt des Gesprächs widmete sich der Frage, wie sich die Nachfrage bzw. der Zugriff auf unverfälschte und authentische Informationen, wie sie Archivquellen enthalten, verändert. Das Podium folgte der Beobachtung des Moderators, dass viele Bürger:innen, auch bei historischen Fragestellungen, zunehmend schnelle, leicht konsumierbare und individuell zugeschnittene Antworten erwarten und sich dafür immer häufiger an generative KI‑Systeme wenden. Der aufwendigere Weg zu den in Archiven vorgehaltenen Primärquellen wird dagegen immer seltener gewählt. Angesichts der damit verbundenen Risiken – fehlerhafte Datengrundlagen, KI‑Halluzinationen, mangelnde Fertigkeiten der Quellenkritik – war sich das Podium weiter einig: Archive dürfen diese Entwicklung nicht resigniert hinnehmen. Sie müssen im Gegenteil ihre Anstrengungen verstärken, ihre Quellen einschließlich der kontextualisierenden Erschließungsdaten umfassend online zugänglich zu machen. Denn nur wenn authentische Informationen im Netz verfügbar sind, können sie als Referenz dienen, für menschliche Nutzerinnen und Nutzer ebenso wie für KI‑Modelle, die gleichsam auf verlässliche Daten angewiesen sind. Digitale Originalquellen wirken damit als Korrektiv gegen Desinformation und KI‑Fehlinterpretationen. Zugleich, so Ruprechts Appell, sollten Archive ihre Vermittlungsarbeit ausbauen und grundlegende Fertigkeiten der Quellenkritik stärken. Darin liege eine große Chance, die Souveränität und Mündigkeit auch im Umgang mit KI‑generierten Informationen zu erhöhen. ###### „Die Trägermedien haben sich geändert, aber die Daten sind immer noch da.“ (Kravanja) Der dritte Themenkomplex richtete den Blick auf die Zukunft der Überlieferung. Während Papierakten die Archive noch Jahrzehnte begleiten werden, wächst der Anteil elektronischer Unterlagen rasant. Angesichts des absehbaren Fachkräftemangels in den Verwaltungen und des zunehmenden KI‑Einsatzes wird sich dieser Prozess, so Bürgermeister Kravanja, weiter beschleunigen. Der anschließende Austausch über technische Voraussetzungen und politische Rahmenbedingungen der digitalen Archivierung zeigte, wie anspruchsvoll es ist, gerade bei elektronischen Unterlagen und Daten die Authentizität und Unverfälschtheit langfristig zu sichern. Gleichzeitig wurde betont, dass bereits tragfähige und produktiv erprobte Lösungen existieren, etwa in der digitalen Langzeitarchivierung im Verbund, die kontinuierlich weiterentwickelt und erfolgreich ausgebaut werden. _Hinweis: Der Beitrag entstand unter Nutzung eines KI-Textwerkzeugs (hier: MS Copilot). Redaktion und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor._ * * * OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren: tlienkamp (19. März 2026). #WAT26: Eröffnungstalk “Archive als Fels in der Brandung? Garantieren Archive wirklich ‘unverfälschte und authentische Informationen’?”. _archivamtblog_. Abgerufen am 19. März 2026 von https://archivamt.hypotheses.org/29957 * * * * * * * *
archivamt.hypotheses.org
March 19, 2026 at 4:27 PM
#wat26: Webarchivierung: aktueller Stand und Perspektiven https://archivamt.hypotheses.org/29975
#WAT26: Webarchivierung: aktueller Stand und Perspektiven
Foto: LWL-Archivamt Unter der Moderation von David Gniffke (LWL-Archivamt, Münster) begann der erste Vortragsabschnitt des Westfälischen Archivtags 2026. Es sollte um ein Thema gehen, das für einige Archive noch in der Zukunft liegt, für andere Archive aber bereits zumindest ein kleiner Teil des Arbeitsalltag geworden ist: Die Webarchivierung. – Wie der aktuelle Stand in NRW ist und welche Möglichkeiten und Probleme auf die Archive zukommen, wurde in den folgenden Beiträgen dargestellt. **Webarchiv.NRW – eine Pflichtaufgabe der Landesbibliotheken in NRW** – Dr. Andrea Ammendola (Universitäts- und Landesbibliothek Münster) In seinem Beitrag stellte Herr Dr. Ammendola das Projekt „Webarchiv.NRW“ vor. Grund für dieses Projekt ist das 2013 verabschiedete Pflichtexemplargesetz NRW, welches neben elektronischen Publikationen auch Webseiten miteinschließt und damit die Landesbibliotheken NRW mit der Aufgabe der Webarchivierung betraut. Da es keine eindeutige gesetzliche Grundlage für die Archivierung von Webseiten gibt und damit bisher auch keine Richtlinien oder Standards entwickelt wurden, dauerte es einige Jahre, bis die Aufnahme dieser Aufgabe ins Rollen kam. 2017 gewann das Thema durch eine bundesweite Arbeitsgruppe zur Webarchivierung an Bedeutung. Die Landesbibliotheken NRW begannen im selben Jahr die Zusammenarbeit mit der Deutschen Nationalbibliothek und führten von 2019 bis 2021 eine Testphase durch. Nach zwischenzeitlichen Einschränkungen entwickelte sich das Projekt ab 2023 mit neuen Partnern, dem Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen, weiter. Seit 2024 wird „Webarchiv.NRW“ durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft (MKW) gefördert. Inhaltlich konzentriert sich die Sammlung auf öffentliche und zugleich landeskundlich relevante Webseiten. Dazu gehören insbesondere Internetauftritte von Landesregierung und weiteren Landeseinrichtungen, Kommunen, Hochschulen, Bibliotheken sowie im Einzelfall Webseiten von Privatpersonen. Die Auswahl erfolgt nach abgestimmten Sammelprofilen und unterschiedlichen Intensitätsstufen; eine vollständige Archivierung aller Webseiten wird nicht angestrebt. Die Webarchivierung erfolgt über halbjährliche Crawls mit möglichst großer Tiefe. Jährlich können so rund 2400 URLs neu erfasst werden. Die Qualitätssicherung erfolgt sowohl visuell als auch durch einen kontinuierlichen fachlichen Austausch zwischen den Kooperationspartnern. Die Erschließung der archivierten Webseiten erfolgt als vereinfachte Monographien und wird mit Metadaten im Standard der Nordrhein-Westfälischen Bibliographie angereichert. Aktuell liegt der Fokus auf der Sicherung der Inhalte, da die Rechtslage derzeit unsicher ist, insbesondere im Hinblick auf Urheberrecht und Datenschutz. Daher soll auch der Zugang zu den archivierten Webseiten ab 2026 nur im Closed Access und ausschließlich an den Standorten der Projektpartner möglich sein. Langfristig soll die Qualitätssicherung technisch weiterentwickelt werden, um manuelle Prozesse zu verringern. Des Weiteren hofft man auf eine mögliche Migration in das deutsche Webarchiv der DNB. **Webarchivierung: ein Blick in die Praxis –** Mathis Nolte M.A. (Stadtarchiv Löhne), Dr. Peter Worm (Stadtarchiv Münster), Eric Witt (Stadtarchiv Iserlohn) Um die Realitäten der Webarchivierung in westfälischen Archiven besser greifen zu können, stellte David Gniffke die Ergebnisse einer kurzen Umfrage des LWL-Archivamtes im Plenum vor. Beteiligt hatten sich insgesamt 73 Archive aus Westfalen, darunter Kommunalarchive aber auch das Landesarchiv NRW. Besonders stach heraus, dass 28% der teilnehmenden Archive Webseiten der eigenen Kommune bereits archivieren, während 71% sich noch nicht mit der Thematik auseinandergesetzt hatten. Mehr als die Hälfte gab an die BKK-Empfehlung zur Webseitenarchivierung (2011) nicht zu kennen. Ab 2020 konnte ein Anstieg der Webarchivierung verzeichnet werden, hierbei wurden unterschiedliche Ansätze und technische Standards verwendet. Die Mehrzahl der Archive archivieren im WARC Format, gefolgt von der Speicherung von Komponenten wie HTML. Als Crawler wurde zumeist Heritrix verwendet. Wer die Speicherung der Webseiten übernimmt, wurde unterschiedlich gelöst: mal übernimmt das Archiv (teils im Zusammenarbeit mit der IT) die Speicherung, andernorts läuft es über die Pressestelle oder es wird eine externe Lösung über einen Dienstleister genutzt. Dabei sind im Moment die archivierten Seiten selten für Nutzer zugänglich. Anschließend an die Umfrage hatten sich Mathis Nolte (Stadtarchiv Löhne), Dr. Peter Worm (Stadtarchiv Münster) und Eric Witt (Stadtarchiv Iserlohn) bereit erklärt über ihre Erfahrungen und aktuellen Lösungsansätze zur Webseitenarchivierung zu sprechen. Geleitet wurde der Austausch von David Gniffke (LWL-Archivamt, Münster). Das Stadtarchiv Löhne nutzt eine Dienstleisterlösung, das Stadtarchiv Münster übernimmt HTML-Komponenten direkt von der Verwaltung, während im Stadtarchiv Iserlohn in Eigenregie mit dem Webcrawler Heritrix gearbeitet wird. Eric Witt führte aus, dass 2024 die Webseite der Stadt Iserlohn überholt werden sollte und eine Löschung alter Inhalte bevorstand. Als Archivar mit Digitalisierungs-Schwerpunkt horchte Witt auf und nahm dies als Anlass die Webseite zu crawlen und im Web ARChive (WARC)-Format zu erhalten. Mathis Nolte hatte bereits 2023 eigene Versuche angestellt, ist dann aber schnell aufgrund der fehlenden zeitlichen Kapazität in einem 1-Mann Archiv, auf eine Dienstleisterlösung umgestiegen, die im Moment noch finanziell von der Kämmerei getragen wird. Dr. Peter Worm erklärte kurz das System des Stadtarchivs Münsters bei dem, abweichend von der o.g. BKK-Empfehlung, die HTML-Komponenten gespeichert werden. Worm sah hier das WARC-Format als nicht wesentlichere überzeugende Variante, da die angebotenen Spiegelungen der Seiten kostengünstig gespeichert, einfach nutzbar und veränderungsresistent seien. Je nach Ansatz wurde deutlich, dass der Arbeitsaufwand und auch die Kosten variieren. Die selbstständige Arbeit mit Heritrix benötigt Personalressourcen, während die Auslagerung an einen Dienstleister natürlich eine finanzielle Frage ist. Abgesehen von der Frage der Ressourcen traf Worm die Aussage, dass Webseiten überhaupt erstmal bewertet werden müssen: Kann es nicht sein, dass dieselben Informationen aus dem Internet nicht genauso gut über andere Medien abgebildet werden? Falls die Webseiten nicht intensiv archiviert werden, sehe Worm kaum Informationsverlust. Nolte entgegnete, dass Webseiten bzw. das Internet nicht geringgeschätzt und als eigenständiges Medium mit spezifischer Haptik anerkannt werden sollte. Hier sieht Worm nicht den zentralen Auftrag, als Archiv zu dokumentieren, wie das Internet funktioniert. Immerhin gäbe es verschiedenste Darstellung von Internet, abhängig vom benutzen Browser oder Endgerät. Zum Schluss des Austausches warf David Gniffke die Frage in den Raum wie die Zukunft der Webseitenarchivierung in kommunalen Archiven aussehen könnte. Witt ist der Meinung, die Seiten sollten ebenfalls im Lesesaal einsehbar sein und nicht nur bei den Landesbibliotheken. Ebenfalls habe er an die 1000 Seiten aus der Kommune ermittelt, die teils archivwürdig erscheinen. Hier kommt also eine Ausweitung der Webseitenarchivierung in Frage. Worm gefiel der Gedanke einer kooperativen Lösung mit den Landesbibliotheken, sieht aber Schwierigkeiten in der Kommunikation. Er betont die klare Zuständigkeitsregel – städtische Webseiten gehören ebenso ins kommunale Archiv. **Social Media-Archivierung im Archiv der sozialen Demokratie. Aktueller Stand und konzeptionelle Überlegungen** – Dr. Andreas Marquet (Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn) In seinem Vortrag teilte Dr. Andreas Marquet einen Werkstattbericht über den Aufbau und die Entwicklung des Webarchivs im Archiv der sozialen Demokratie und wie die Archivierung von Social Media als Teil des Webarchivs verstanden wird. Marquet gab einen kurzen Überblick zur technischen Entwicklung des Webarchivs, wobei ab 2019 auf den Einsatz von Webcrawlern, die WARC-Dateien produzieren, gesetzt wird. Daraufhin erläuterte er die Zielsetzungen eines Integrierten Webarchivs: Die Nutzungsperspektive soll beachtet werden, insofern als der Zugang zu Webseiten, Social Media-Inhalten und Pressemitteilungen in einem gemeinsamen Suchraum zusammengefasst werden soll. Die Archivierung soll möglichst ressourcenschonend geschehen. Das Team um Marquet habe sich nach Rücksprache mit ausgewählten Organisationen hinter den Social Media-Konten auf die populären sozialen Medien festgelegt. Es stellte sich heraus, dass die Relevanz von Webseiten abnimmt. Social Media hingegen kann differenziert betrachtet werden und demnach sollen die Konten auf Facebook und TikTok gesichert werden. Um die Archivwürdigkeit zu prüfen wurde eine Art Übernahmemodell entwickelt in dem signifikante, erhaltenswerte Eigenschaften wie z.B. Vollständigkeit textueller Inhalte, Postings und Reaktionen, geprüft und priorisiert werden. Rechtlich abgesichert wird die Webarchivierung im Archiv der sozialen Demokratie durch ein Gutachten der Kanzlei iRights.Law (2021), dass keinen Widerspruch im Harvesting von Social Media-Plattformen sieht. Der Zugang für Nutzer*innen wird über ein Terminal im Lesesaal des AdsD ermöglicht. Die verschiedenen Plattformen werden einheitlich in der Rechercheanwendung AFIS/Online-Modul und über die Zugänge PyWayback und SolrWayback dargestellt. Eine Suche ist insofern möglich als die WARC-Dateien indexiert und in Solrwayback eingespielt werden. Bei einer Stichwortsuche können dann Treffer erzielt werden. Diese werden dann im Monet nicht z.B. als Korpus einer ganzen Facebook-Seite dargestellt. Hier stellt sich die Frage, wie die Suchergebnisse und Exporte in Kontext gesetzt werden. Marquet schließt seinen Vortrag mit einem Ausblick auf den aktuellen Stand des Webarchivs. Momentan läuft die Altdatenmigration von Webseiten sowie die Migration von Twitter-Auftritten in das Webarchiv. Bei der Social Media Archivierung zeigt sich TikTok als schwieriges Medium zu archivieren. Die Crawl-Ergebnisse sind inkonsistent, aber überwiegend schlecht. Die Facebook-Auftritte werden als HTML-Export nach WARC konvertiert, wobei hier ein Konflikt mit höchster Priorität „Vollständigkeit“ der signifikanten Eigenschaften entsteht. Es werden Nutzungsmöglichkeiten im Webarchiv (Browsingeinstieg, Suchmöglichkeiten) sowie Instagram-Exporte geprüft. David Gniffke schloss den ersten Vortragsblock mit dem Aufruf sich von den Erfahrungen der Beitragenden inspirieren zu lassen und sich im Rahmen von Bewertungsarbeiten auch mit den eigenen städtischen bzw. kommunalen Webseiten zu befassen. * * * OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren: lhaselhoff, rmoj (19. März 2026). #WAT26: Webarchivierung: aktueller Stand und Perspektiven. _archivamtblog_. Abgerufen am 19. März 2026 von https://archivamt.hypotheses.org/29975 * * * * * * * *
archivamt.hypotheses.org
March 19, 2026 at 4:12 PM
#wat26: Diskussionsforum “Sichtbarmachung von Diversitäten: Kernaufgaben neu denken?” https://archivamt.hypotheses.org/29912
#WAT26: Diskussionsforum “Sichtbarmachung von Diversitäten: Kernaufgaben neu denken?”
von Ilka Minneker Das mit rund 60 Teilnehmern gut besuchte und von Patricia Lenz sowie Kim Céline Cilius (beide Institut für Stadtgeschichte, Gelsenkirchen, ISG) geleitete Diskussionsforum nahm sich eines Themas an, das noch eher selten Gegenstand des facharchivischen Diskurses ist. Die beiden Kolleginnen präsentierten fünf Beispiele, die die Bandbreite der Möglichkeiten vorstellen, Leerstellen und unsichtbare Diversity aufzudecken und sichtbar machen können. Die (kontroverse) Diskussion der Schilderungen war dabei ausdrücklich erwünscht. Das ISG profitiert hierbei von seiner Struktur, die das Stadtarchiv mit einer Forschungsabteilung, einer Dokumentationsstätte zum Nationalsozialismus in Gelsenkirchen und einer Fachstelle „Demokratie bewegen“ kombiniert. Die Möglichkeit zum direkten Austausch von Archiv und Forschung ist dabei einzigartig in der Archivlandschaft Westfalen-Lippes. Das erste Beispiel einer Community-Archivierung resultierte aus der im Jahr 2013 eröffneten Dauerausstellung zur Stadtgeschichte „Wandel ist immer“. Bei den Vorbereitungen wurde deutlich, dass die jüngere Migrationsgeschichte sich kaum in den Archivbeständen niederschlägt. Zusammen mit dem damaligen Integrationsbeauftragten der Stadt, Mehmet Ayas, wurden Kontakte zu den Akteur:innen der Zeit hergestellt. Die Ergebnisse der Zusammenarbeit konnten nach Eröffnung der Ausstellung in ein eigenes Projekt zur Zuwanderungsgeschichte überführt und gesichert werden. Die Sammlung wurde von der Community selbst organisiert und enthält nicht Unterlagen _über_ Zuwander:innen, sondern Dokumente und Interviews _von_ ihnen selbst; auch bei der Verzeichnung erfolgte die Unterstützung durch den Integrationsbeauftragten. Das zweite Beispiel stellt das 2019 initiierte Oral-History-Projekt „Gedächtnisspeicher Gelsenkirchen“ dar. Erinnerungen von Menschen aus der Stadt wurden unter der Prämisse gesammelt, dass ihre Alltagsgeschichten als „Geschichte von unten“, ihr Wirken und ihre Erfahrungen jenseits von Großereignissen die Stadtgesellschaft lebendig darstellen. Entscheidungs- und Meinungsprozesse, die sich nicht in schriftlichen Quellen widerspiegeln, können so besser nachvollzogen werden. Als Beispiel 3 wurde der geplante Sammlungsaufbau zur LGBTQ+-Community vorgestellt. Ausgangspunkt war die Feststellung, dass es keine bzw. nur eine indirekte Überlieferung zum Thema in den Beständen des Stadtarchivs gibt. Hierzu soll aktiv an die Akteur:innen herangetreten werden. Darüber hinaus wurden bereits Frauen- und Lesbenarchive kontaktiert, um eine relevante Gegenüberlieferung festzustellen. Vereinen, Gruppen und Einzelpersonen soll die Möglichkeit angeboten werden, zusammen mit dem Stadtarchiv die eigene Geschichte aktiv zu sichern und zugänglich zu machen. Seitens des Plenums wurde hier hinterfragt, ob Spartenarchive nicht grundsätzlich sinnvoller wären, als jeweils eigenständige kommunale Überlieferungen zu bilden. Durchaus kontrovers diskutiert wurden die Bemühungen des ISG um die Revision von Verzeichnungen. Patricia Lenz plädierte auf Veränderungen zumindest auf der Ebene der Bestandsbeschreibungen. Inwieweit zeittypische Begriffe oder bewusste Auslassungen weitergehend zu revidieren sind, sollte an dem Kriterium der Auffindbarkeit gemessen werden. Auch bei der Bewertung von Massenakten (z.B. Personalakten) kann das Kriterium der Diversität die Auswahl eines Sample (z.B. nach Buchstaben) durchaus sinnvoll vervollständigen. Das Plenum ergänzte die Schilderungen aus dem ISG mit eigenen Beispielen und zeigte sich bezüglich der Thematik durchaus aufgeschlossen. Kritisch hinterfragt wurde die Möglichkeit der erneuten Stigmatisierung als Randgruppe durch gesonderte Sammlungstätigkeiten; eine Diskussion, die durchaus auch bei den sog. Stolpersteinen bekannt ist. Der Begriff der Diversität wurde insgesamt eher breit angesetzt und umfasst sowohl Frauen, die LGBTQ+-Community, Migrant:innen, Senioren, Romnja usw. Hingewiesen wurde auch auf die Bedeutung von sog. Spezialsammlungen von Verwaltungsmitarbeitenden, die aus persönlichen Interessen angelegt werden. Diversität kann als Thema auch der erste Beginn eines Dokumentationsprofils sein, um den amtlichen Bereich der Überlieferung sinnvoll zu ergänzen. Zum weiteren Verlauf der Diskussion wird im 104. Heft der Archivpflege für Westfalen-Lippe ein Kurzbericht erscheinen. * * * OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren: Luisa Goldammer (19. März 2026). #WAT26: Diskussionsforum “Sichtbarmachung von Diversitäten: Kernaufgaben neu denken?” _archivamtblog_. Abgerufen am 19. März 2026 von https://archivamt.hypotheses.org/29912 * * * * * * * *
archivamt.hypotheses.org
March 19, 2026 at 8:49 AM