Beats 360 im Test: Beats greift nach dem Farbtopf
#### Auf einen Blick
### Unsere Wertung
### Pro
* Typischer basslastiger Beats-Sound
* Bequemer, sicherer Sitz
* Akkulaufzeit viel länger als angegeben
* Austauschbare Polster in verschiedenen Farben
* Überragendes ANC
* Viele bunte Kombinationsmöglichkeiten
### Kontra
* Fortgeschrittene Funktionen der Airpods Max 2 fehlen
* Teuer
* Keine Trageerkennung
* Können nicht zusammengeklappt werden
* Kein Equalizer
* Kein Audio über Kabel
### Fazit
Der Beats 360 ist ein hübscher, leichter und vor allem bequemer Lifestyle-Kopfhörer, der mit seinen Wechselpolstern zumindest optisch sehr viel Spielraum für Anpassungen lässt. Der Klang ist Beats-typisch für Tanzmusik ausgelegt und macht Spaß, wer aber verlustfreies Audio sucht, wird hier nicht fündig, auch nicht über Kabel. Gegenüber den Airpods Max 2 fehlen Funktionen wie Live-Übersetzung, was aber durchaus zu verzeihen ist.
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Nach einigen vermeintlich absichtlichen und wenigen unabsichtlichen, aber detailreichen Leaks hat die Apple-Tochter Beats offiziell ihre neuen Kopfhörer vorgestellt: die Beats 360.
Während der neue Kopfhörer zweifellos wie ein Beats-Produkt klingt, hebt er sich optisch deutlich von den bisherigen Modellen der Marke ab – nicht nur wegen der verschiedenen, kombinierbaren Farben. Ich durfte den Kopfhörer ein paar Tage im Voraus testen und bin insgesamt ziemlich angetan.
Eugen Wegmann
## Design
Die Beats 360 waren in den Monaten vor ihrer Vorstellung kein besonders gut gehütetes Geheimnis: Mal wurden sie strategisch in Instagram-Fotos von berühmten Fußballern platziert, mal sind sie bis ins letzte Detail in den Datenbanken von Online-Händlern aufgetaucht. Grundsätzlich war über das Design also schon fast alles bekannt. Und dennoch gibt es noch viel zu erzählen.
Optisch heben sie sich deutlich von den übrigen Beats-Kopfhörern merklich ab: Sie wirken nicht ansatzweise so klobig wie die Beats Studio Pro oder die Beats Solo 4. Wenn man vom Beats-Logo auf der Außenseite des Hörers absieht, ähneln die Beats 360 optisch sogar eher den Bose NC 700 als den beiden Beats-Modellen.
Eugen Wegmann
Grund dafür ist der Bügel, den Beats nicht als breites Band ausführt, sondern eher als runden Stab, etwas dicker als ein Bleistift. Auch das Gehäuse, in dem die Treiber stecken, ist merklich kleiner als bei bisherigen Modellen, was zur Leichtigkeit beiträgt.
Der wohl größte Nachteil dieses Designs ist, dass sich die Beats 360 im Gegensatz zu den anderen beiden erhältlichen Modellen nicht kompakt einklappen lassen. Dafür können Sie die Hörer um 90 Grad drehen, damit das Gerät so flach wie möglich liegt – eine Funktion, die wiederum weder die Beats Studio Pro noch die Solo 4 besitzen. Manch anderer Hersteller schafft beides.
Das vermutlich wichtigste Designmerkmal sind die abnehmbaren Ohr- und Bügelpolster, die den Beats 360 fast schon einmalige Anpassungs- bzw. Kombinationsmöglichkeiten verleihen.
Der eigentliche Kopfhörer kommt in vier Farben – Weiß („Wolke“), Schwarz, Pink und Hellblau („Himmelblau“) – und wird mit entsprechenden Ohr- und Bügelpolstern aus sogenanntem „Performance Mesh“ geliefert – einem Textil, das an die Polster der Airpods Max erinnert. Zusätzlich können Sie alle erhältlichen Farben als Polsterkits kaufen, aber auch in Ausführungen, die es nicht im Set gibt: als „Performance Knit“ in den Farben Dunkelblau (Navy) und Gelb (Volt) oder als Premium-Kit mit Kunstleder als Obermaterial in Schwarz oder Weiß.
Blaue Beats 360 mit weißen Premium-Ohrpolstern.
Eugen Wegmann
Dadurch ergeben sich pro Grundfarbe bis zu sechs Farbkombinationen, wenn Sie nur eine zusätzliche Farbe wählen. Freilich hält Sie niemand davon ab, die Polsterfarben beliebig zu mischen, also unterschiedliche Farben für jedes Ohrpolster und eine dritte fürs Bügelpolster zu verwenden. Das könnte dann aber mitunter eher ulkig aussehen.
Eugen Wegmann
Beim Design der Verbindungsstücke hat sich Beats offensichtlich Gedanken gemacht. Es ist praktisch unmöglich, das Bügel- und die Ohrpolster falsch anzubringen, da alles symmetrisch ist. Das Bügelpolster wird einfach gesteckt, was sich gerade am Anfang noch etwas falsch anfühlt, da die Pins zunächst doch relativ schwergängig sind. Nach nur fünf oder sechs Wiederholungen pro Teil geht es jedoch sehr viel flüssiger.
Die Ohrpolster wiederum werden auf die Hörer gedreht. Auch hier spielt die Orientierung keine Rolle – das linke Polster passt auf die rechte Seite und welches Ende nach oben oder unten zeigt, ist auch egal. Versuchen Sie, die Beats 360 ohne Ohrmuscheln zu verwenden, verweigern sie den Dienst und der Ein-/Ausschalter auf der linken Seite blinkt rot.
* *
Die Beats 360 werden ausschließlich mit Tasten gesteuert. Auf der linken Seite befindet sich die Taste, um zwischen den ANC-Modi durchzuschalten, darunter die Taste zum Ein- und Ausschalten und zum Koppeln des Kopfhörers. Auf der rechten Seite befinden sich wiederum ein Lautstärkeregler und eine Multifunktionstaste für Play/Pause (1x kurz), nächster Song (2x kurz), zum Anfang/einen Song zurück (3x kurz) und Siri (bzw. andere Sprachassistenzen auf Android-Smartphones). Auf Touch-Elemente verzichtet Beats, was ich persönlich bei Over-Ear-Kopfhörern gar nicht verkehrt finde.
Eugen Wegmann
## Komfort
Ich war nie großer Fan von Over-Ear-Kopfhörern, was für Brillenträger nicht ganz ungewöhnlich ist. Früher oder später drückt es irgendwo – in der Regel auf dem „Sandwich“ aus Ohr, Brillenbügel und Kopfhaut –, es wird zu warm unter den Polstern, das Gewicht wird auf Dauer unangenehm oder, Scott bewahre, eine Kombination daraus. Entsprechend pessimistisch bin ich an die Beats 360 gegangen, wurde aber zu meiner Überraschung vom Gegenteil überzeugt.
Während meiner Testzeit hatte ich den Kopfhörer teilweise fünf Stunden am Stück auf, ohne mich damit unwohl zu fühlen, was für mein Empfinden durchaus bemerkenswert ist.
Komfort ist freilich extrem subjektiv. Für meinen relativ großen Kopf funktionieren der Anpressdruck zusammen mit den weichen Performance-Mesh-Polstern einfach sehr gut. Mit einem Gewicht von 294,5 Gramm wiegen sie fast 100 Gramm weniger als die Airpods Max 2 mit 386,2 Gramm. Sicherlich spielt auch die Konstruktion der Ohrmuscheln eine Rolle: Im Gegensatz zu den meisten anderen Modellen haben sie nämlich keine durchgehend harte Schale, sondern bestehen teilweise aus einer flexiblen Silikonhaut, die etwas nachgibt.
Eugen Wegmann
Während der Druck auch unter den Kunstlederohrpolstern durchwegs angenehm ist, wird es darunter nach einer Weile dann doch etwas warm für meinen Geschmack, was für das Material aber ganz normal ist.
## Klang
Wenn Sie Beats-Kopfhörer kaufen, dann müssen Sie einen bestimmten Klang erwarten. Dieser ist seit jeher eher tiefenbetont und richtet sich in erster Linie an Fans von Hip-Hop, Pop und elektronischer Tanzmusik. Insofern machen diese Genres mit den Beats 360 am meisten Spaß, ganz egal, welche Künstler oder Alben sie konkret hören. Dafür kann ich eine allgemeine Empfehlung aussprechen, ohne weiter ins Detail gehen zu müssen.
Die Tiefen sind warm, tendieren aber etwas dazu, die unteren Mitten zu überlagern. Die Höhen wiederum sind angenehm detailliert, wenn sie in einem modernen Mix auftauchen. Wenn man ihnen aber „Jane Doe“ von Converge vorsetzt, wird es etwas arg schrill, was nicht _ausschließlich_ daran liegt, dass das Album furchtbar laut abgemischt ist. Gemächlichere, aber trotzdem noch laute, aggressive und vielschichtige Musik, etwa „White Silence“ von Cave In und „The Eye of Every Storm“ von Neurosis, klingt hingegen trotzdem verdammt gut.
Wenn Ihnen das generelle Klangprofil der Beats 360 nicht gefällt, haben Sie allerdings Pech gehabt: Einen Equalizer gibt es nicht, weder in den Einstellungen auf dem iPhone noch in der Beats-App auf Android-Smartphones. Sie können den Klang also nicht anpassen, wobei es für Android zumindest Third-Party-Apps gibt, mit denen Sie diese Funktion in einem gewissen Rahmen nachrüsten können.
Dass die Beats auf dem iPhone nicht den Airpods-Equalizer unterstützen, den Apple mit iOS 27 eingeführt hat, lässt mich indes die Stirn runzeln, deutet aber darauf hin, dass in den Beats 360 nicht der H2-Chip von Apple zum Einsatz kommt.
Die Beats 360 in Himmelblau passen exzellent zum iPhone Air in Himmelblau.
Eugen Wegmann
## Software & Funktionen
Beats gehört seit jeher zu den wenigen Marken, die sowohl mit iPhones als auch mit Android-Smartphones gut können. Daher unterstützt der Kopfhörer sowohl „Google Fast Pair“ auf Android-Geräten als auch „Proximity Pairing“ auf Apple-Geräten, sowohl das „Mein Smartphone finden“-Netzwerk von Android als auch das „Wo ist?“-Netzwerk von Apple. Auf Apple-Geräten können Sie, genau wie mit Airpods, auch nahtlos zwischen Ihren Apple-Geräten im selben Apple-Account wechseln.
3D-Audio mit Kopfverfolgung können die Beats 360 auch, Sie können Siri immer per Sprachbefehl aktivieren und selbstverständlich ist ANC mit an Bord, das wirklich tadellos funktioniert – so gut, dass man das Blut in seinen Ohren pulsieren hört, wenn keine Musik läuft. Gegenüber der aktiven Geräuschunterdrückung der Airpods Max 2 fällt im Ruhezustand ein leises Rauschen auf, das aber nicht weiter stört. Es gibt allerdings keinen adaptiven ANC-Modus, der sich dynamisch an die Umgebungsgeräusche anpasst, sondern nur ein, aus und Transparenz. Da ich ihn selbst nie benutze, stört mich das aber nicht weiter.
Darüber hinaus gibt es nur noch eine Liste von Funktionen, die den Beats 360 gegenüber den Airpods Max 2 fehlen, und alle setzen Apples H2-Chip voraus. Dazu gehören Live-Übersetzung, Hörunterstützung, aber auch das adaptive ANC und sicherlich auch der Equalizer.
Merkwürdigerweise fehlt den Beats 360 auch eine Trageerkennung, die die Wiedergabe pausiert, wenn Sie die Kopfhörer absetzen, und fortführt, wenn Sie sie wieder aufsetzen. Diese Funktion gehört inzwischen schon bei deutlich günstigeren Modellen zum Standard, weshalb ihr Fehlen gerade hier etwas sauer aufstößt.
## Akkulaufzeit & Konnektivität
Beats gibt eine Akkulaufzeit von 32 Stunden an, in meiner Testzeit bin ich aber mit ausgeschalteter Kopfverfolgung und eingeschaltetem ANC auf weit über 40 Stunden gekommen, bis ich sie mit ca. 20 Prozent Restladung an den Strom hängen musste. Sind sie einmal leer, reichen 5 Minuten am Ladekabel für eine weitere Stunde Wiedergabe.
Der Kopfhörer funkt mit Bluetooth 5.3, unterstützt aber nur die Codecs SBC und AAC. Hochauflösende Codecs, wie aptX von Qualcomm oder LDAC von Sony, werden nicht unterstützt. Dass sich die Beats 360 nicht an Audiophile richten, wird spätestens daran deutlich, dass sie Audio nicht einmal über Kabel übertragen können.
## Lieferumfang, Preis & Verfügbarkeit
Der Lieferumfang der Beats 360 ist eher bescheiden. In der üppigen Schachtel steckt neben dem Kopfhörer selbst eine leicht gepolsterte schwarze Transporttasche und sonst nichts. Auf ein Kabel verzichtet Beats, was inzwischen aber völlig normal ist. Ein USB-C-Kabel sollte es inzwischen in jedem Haushalt geben.
* *
Schlucken muss man dann spätestens beim Preis: Stolze 349,95 Euro verlangt Apple bzw. Beats dafür zum Verkaufsstart, also 50 Euro mehr als für die Beats Studio Pro. Dafür sind sie immer noch 220 Euro günstiger als die Airpods Max 2, denen ich die Beats 360 allen wegen des Komforts jederzeit vorziehen würde, fehlender Equalizer hin oder her.
Möchten Sie die Farbe anpassen, kostet Sie ein Polster-Kit weitere 60 Euro, wobei die beiden „Ultraplush“-Kunstledervarianten immerhin genauso viel kosten wie die bunten aus „Performance Mesh“. Zum Launch sind sie in Deutschland aber immerhin für nur 10 Euro erhältlich, „solange der Vorrat reicht“.
Die Beats 360 sind ab dem 24. September direkt bei Apple, bei Beats oder im übrigen Einzelhandel erhältlich.