Diesen genialen Motor können Sie jetzt nicht mehr kaufen – darum vermissen wir den 1KR-FE
Es ist passiert: Toyota verkauft jetzt seinen Kleinstwagen Aygo X als Neuwagen nur noch mit Hybridmotor. Der Aygo (X) mit dem unverwüstlichen, pflegeleichten und sparsamen 1KR-FE-Dreizylinder ohne jeglichen Hybrid- oder Turbo-Schnickschnack ist nicht mehr als Neuwagen bestellbar. Sie finden den “alten” Aygo aber sicherlich noch unter den vorhandenen Restbeständen (Vorführwagen, Tageszulassungen, Leasing-Rückläufer etc.) bei einigen Toyota-Händlern oder auf den einschlägigen Online-Portalen.
## Der 1KR-FE ist ein verkannter Held
Im Auto-Quartett und an Stammtischen drehen sich Gespräche unter Auto-Enthusiasten meist nur um Motoren mit möglichst vielen Zylindern, möglichst viel Hubraum, möglichst vielen Pferdestärken und beeindruckend viel Drehmoment. Während meiner Zeit als Auto-Tester der PC-WELT durfte ich genügend solche Boliden fahren (und ja: der 8-Zylinder-Diesel im Porsche Panamera hat schon Spaß gemacht).
Mit dem Auto-Alltag von vielen Millionen Menschen hat das aber wenig zu tun. Denn über die heimlichen Helden unter den Automobilen, die Tag für Tag über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte bei jedem Wetter, bei Hitze, Kälte, Eis und Streusalz, ihren Dienst verrichten, spricht man eher nicht.
Gerade im Klein- und Kleinstwagensegment rackern viele Autos, die man für vergleichsweise wenig Geld kaufen und mit geringen Unterhaltskosten lange fahren kann. Sie sind meist ungemein praktisch, passen in jede Parklücke und verbrauchen wenig Benzin (Diesel sind bei Kleinwagen selten bis nicht vorhanden).
Bei den Reparatur- und Unterhaltskosten kann allerdings so mancher “Kleine” auf Dauer ganz schön teuer werden. Wenn beispielsweise der Hersteller meint, in dem kleinen Auto, das meist sowieso nur in der Stadt gefahren wird, einen Turbolader verbauen zu müssen. Der, wenn er kaputtgeht, ein großes Loch ins Portemonnaie reißt. Sogar Zylinderabschaltung verbaut mancher Hersteller in Kleinwagen, um den Kraftstoffverbrauch zu senken. Deren Reparatur frisst dann sämtliche eingesparte Spritkosten auf.
## Mein Held hat 3 Zylinder und 1 Liter Hubraum
Ganz anders verhielt es sich aber mit dem bisherigen Motor im Aygo, den Toyota in Tschechien produziert hatte. In diesem Kleinstwagen – der seit dem letzten Generationswechsel zum Aygo X deutlich gewachsen ist und deshalb nicht mehr ganz so bequem in jede Großstadt-Parklücke passt – verrichtete seit 2005, als Toyota zusammen mit Peugeot und Citroën die “Drillinge” Aygo, Peugeot 107 und Citroën C1 vorgestellt hat, ein großenteils unverändert gebauter Dreizylindermotor seine Dienste.
Gerade einmal 1 Liter Hubraum besitzt dieser winzige Motor, reparaturanfälliger Schnickschnack wie Turbolader oder Zylinderabschaltung fehlt. Trotzdem fährt sich der Wagen in der Großstadt spritzig, flotte Ampelstarts sind kein Problem und eine 5 steht selbst bei sportlicher Fahrweise immer vor dem Komma, wenn wir den Kraftstoffverbrauch berechnen.
Der Motor ist ein klassischer Saugmotor, wie ihn Fahrer jüngeren Alters kaum noch kennen. Wenn man damit flott fahren will, muss man ihm Drehzahl geben. Einen zusätzlichen Schub durch Turbolader oder Elektromotor gibt es nicht. Die Stärke dieses Motors liegt klar auf dem Stadtverkehr, doch man kann damit auch mit knapp 160 km/h Tachoanzeige viele Hundert Kilometer über die Autobahn brettern. Dann muss man halt Abstriche bei Komfort und Beschleunigung machen und der Kraftstoffverbrauch steigt deutlich. Aber es geht.
Doch dieser Motor begeisterte eben nicht nur durch seine Sparsamkeit und Spritzigkeit, sondern vor allem durch seine Zuverlässigkeit und Langlebigkeit. Er läuft einfach und das, ohne dass man ihn besonders schonen oder handhaben muss (ich erinnere mich noch gut an den Handzettel, der einem deutlich teureren Automobil eines großen deutschen Herstellers beilag, auf dem stand, wie man den Dieselpartikelfilter frei brennen muss, wenn die entsprechende Warnlampe kommt, und dass man Stadtverkehr am besten vermeiden sollte).
In unserem Fall hat dieser Motor in bald 16 Jahren rund 182.000 Kilometer überwiegend im verschleißfreudigen Großstadt- und Kurzstreckenverkehr mit vielen Ampelstopps (Start-Stopp-Automatik hat er übrigens auch nicht) abgespult. Im Winter erreicht der Motor bei seiner täglichen Strecke kaum Betriebstemperatur, aber das stört ihn nicht. Bis heute gab es keine einzige Reparatur am Motor, nur der Auspuff brauchte einmal einen Austausch. Die AU alle zwei Jahre schafft er ohne Probleme, den TÜV sowieso.
## Ende 2025 war Schluss
Diesen unverwüstlichen Motor stellte Toyota aber kürzlich ein, zumindest im Aygo. Denn die jetzt erhätliche Generation des Aygo, die Toyota unter der Bezeichnung **Aygo X Hybrid** seit Anfang 2026 verkauft, bekommt erstmals bei diesem Modell einen Hybrid-Motor (den Toyota bereits in seiner Fabrik im tschechischen Kolin fertigt).
Toyota liefert den Aygo also nur noch mit dem neuen Hybrid-Motor aus. Der Aygo X Hybrid erbt den Motor vom größeren Yaris. Damit endet nach über 1.700.000 Aygo (davon 1.400.000 Aygo und über 290.000 Aygo X, der 2022 die Nachfolge antrat) die Lebenszeit dieses 1-Liter-Dreizylinder-Benzinmotors.
Nun könnte man ja sagen, dass wir einfach Glück gehabt haben mit dem Motor unseres Aygo. Doch weit gefehlt, in vielen Foren loben die Besitzer die Haltbarkeit dieses Motors. Mehrere Hunderttausend Kilometer Laufleistung sind für den kleinen Motor offensichtlich kein Problem; ein KÜS-Prüfer bestätigte uns vor einiger Zeit, dass er vor Kurzem erst einem Aygo mit über 300.000 Kilometern auf dem Tacho eine neue Plakette verpasst hat.
Geradezu geadelt hat diesen Motor vor vielen Jahren eine bekannte deutsche Autozeitung. In ihrem Testbericht zum Aygo stand zu dessen Motor … nichts. Das ist ungewöhnlich für diese Zeitung, denn sie kritisiert eigentlich immer etwas an den Motoren ihrer Testfahrzeuge. Mehr Lob geht nicht.
## Motor ist der 1KR-FE
Der Antrieb erwies sich als so langlebig, dass Toyota ohne grundlegende Veränderung am Motor die PS-Leistung von anfangs 68 auf zuletzt 72 PS erhöhen konnte. Mit dieser Leistung ging der alte Aygo-Motor also jetzt in den verdienten Ruhestand, zumindest soweit es den Aygo betrifft.
Ob dieser Motor auch noch in anderen Toyota-Fahrzeugen rund um den Globus zum Einsatz kommt, wollte uns Toyota nicht sagen: “Offizielle Zahlen über die Verwendung des 1-Liter-Motors des Aygo in anderen Modellen des Toyota-Konzerns und Unternehmen, die nicht zum Toyota-Konzern gehören, können leider nicht kommuniziert werden”.
Doch ein Leser wies uns dankenswerterweise auf diesen Wikipedia-Eintrag hin. Demnach handelt es sich bei dem im Aygo verbauten genialen Motor um den **1KR-FE**. Dieser mehrfach ausgezeichnete Motor stammt ursprünglich von der Toyota-Tochter Daihatsu und kommt in zahlreichen Modellen von Daihatsu und Toyota sowie Subaru zum Einsatz. Teilweise auch im iQ, seinerzeit ein gescheiterter Smart-Konkurrent. Wikipedia verrät also mehr als die deutsche Pressestelle von Toyota. Und der Motor dürfte in einigen anderen Fahrzeugen also noch etwas länger leben dürfen.
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