Versteckte KI-Datenweitergabe – Wie ihr Tools auf Datenabfluss prüft
KI-Datenweitergabe ist ein Problem vieler Cloud-Dienste. Die senden inzwischen Daten an KI-Modelle, ohne dass dies klar im Vertrag steht. Gleichzeitig nehmen KI-gestützte Angriffe auf Smartphones und Macs deutlich zu.
Wenn der Auftragsverarbeitungsvertrag nicht mehr ausreicht
Der Auftragsverarbeitungsvertrag (Data Processing Agreement, DPA) gilt eigentlich als Grundlage dafür, wie Dienstleister personenbezogene Daten verarbeiten. Laut dem aktuellen Datenschutz- und KI-Trendreport 2026 von DataGrail reicht dieser Blick jedoch nicht mehr aus. Das Unternehmen hat 2.400 weit verbreitete Business-Software-Anbieter untersucht und festgestellt, dass 63,6 Prozent der Dienste, die KI-Funktionen nutzen, Daten an KI-Modelle übertragen, ohne dies im DPA transparent zu machen.
Für euch als Unternehmen oder Prosumer bedeutet das. Selbst wenn ein Vertrag korrekt wirkt, kann ein genutztes SaaS-Tool Daten an KI-Dienste weiterreichen, die ihr nie ausdrücklich genehmigt habt. Das betrifft klassische Business-Anwendungen ebenso wie spezialisierte Tools, die ihr auf dem Mac einsetzt. Das reicht von Kollaborationslösungen bis zu CRM- und Support-Plattformen.
DataGrail sieht darin eine zentrale Veränderung: Der DPA als bisherige Prüfinstanz lasse sich nicht mehr „auf Zuruf“ vertrauen. Wer Compliance-Anforderungen erfüllen oder interne Datenschutzrichtlinien einhalten muss, sollte seine Werkzeuge daher systematisch auf versteckte KI-Integrationen prüfen.
So prüft ihr eure Tools auf KI-Datenweitergabe
Für Firmen, Start-ups und anspruchsvolle Einzelanwender:innen auf dem Mac ergibt sich daraus ein praktischer Prüfauftrag. Zunächst solltet ihr eine Übersicht aller genutzten SaaS-Dienste und Apps erstellen, die personenbezogene oder geschäftskritische Daten verarbeiten. Im nächsten Schritt lohnt sich ein genauer Blick in die Datenschutzdokumentation der Anbieter, ergänzend zum DPA. Gibt es Hinweise auf KI-Funktionen, „intelligente“ Assistenten oder Modelle von Dritten, zu denen Daten fließen können?
Gerade KI-gestützte Features in Support- oder Analysewerkzeugen können bedeuten, dass Gesprächsinhalte, E-Mails oder Metadaten für das Training oder die Optimierung von KI-Modellen genutzt werden. Hier solltet ihr prüfen, ob sich diese Funktionen in den Kontoeinstellungen abschalten oder einschränken lassen. Wichtig ist auch, die Datenschutzeinstellungen konsequent an eure internen Vorgaben anzupassen, etwa indem ihr nur pseudonymisierte Daten übertragt oder bestimmte Datenfelder von der Verarbeitung ausnehmt.
Wo möglich, lohnt sich ein direkter Kontakt mit dem Anbieter, um schriftlich zu klären, ob und in welchem Umfang eure Daten in KI-Modelle einfließen. Bei Neuabschlüssen solltet ihr ergänzende Vertragsklauseln verlangen, die eine unerwünschte Nutzung für KI-Training ausschließen oder klar regeln.
Steigende KI-Angriffe: Besonderes Risiko für Apple-User
Parallel zu diesen verdeckten Datenströmen ziehen KI-basierte Angriffe im mobilen Bereich stark an. Laut einem Bericht zu Banking-Trojanern sind Attacken auf Smartphones um 196 Prozent gestiegen, auf rund 1,24 Millionen Vorfälle. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine zentrale Rolle, weil sie Phishing-Kampagnen und neue Betrugsformen wie Smishing (Phishing per SMS) und Quishing (Phishing über QR-Codes) automatisiert und verbessert.
Für Nutzer:innen von iPhone, iPad und Mac entsteht dadurch eine riskante Kombination. Einerseits können im Hintergrund Daten aus Business-Tools oder privaten Apps in KI-Modelle fließen. Andererseits nutzen Angreifer:innen KI, um über dieselben Geräte besonders überzeugende und massenhaft skalierte Angriffe auszurollen. Banking-Trojaner und andere Schadsoftware profitieren von täuschend echt wirkenden Nachrichten, Links und Eingabemasken.
Ihr solltet daher nicht nur eure SaaS-Tools auf KI-Datenweitergabe prüfen, sondern auch die eigene Sicherheitsbasis auf iOS, iPadOS und macOS stärken. Dazu gehören aktuelle System- und App-Updates, das konsequente Misstrauen gegenüber Links in E-Mails, Nachrichten, SMS und QR-Codes sowie klare interne Richtlinien im Unternehmen, wie Zahlungs- oder Login-Anfragen zu verifizieren sind.
Eine einfache Checkliste kann helfen: Welche Tools nutzen KI-Funktionen, welche Daten fließen dorthin, welche Einstellungen habt ihr aktiv gesetzt, welche DPAs kennt ihr im Detail – und wie reagiert ihr auf verdächtige Nachrichten auf iPhone und Mac? Wer diese Fragen strukturiert beantwortet, reduziert sowohl unerwünschte KI-Datenströme als auch die Angriffsfläche für KI-optimierte Betrugsversuche.
Via: venturebeat.com · www.ad-hoc-news.de