Darum sollten Sie nie zwei Virenscanner gleichzeitig auf dem Windows-Rechner nutzen
Windows-Urgestein Raymond Chen plaudert regelmäßig aus dem Nähkästchen. Jetzt hat Chen erklärt, weshalb Sie nie zwei Virenscanner gleichzeitig auf Ihrem Windows-Rechner nutzen sollten.
In seinem absolut lesenswerten Weblog schreibt Chen Folgendes:
> Die Installation von zwei Anti-Malware-Programmen auf demselben System ist so, als würde man zwei verschiedene Sicherheitsfirmen beauftragen, das eigene Gebäude zu bewachen. Wenn sie nichts voneinander wissen, wird jede der beiden die andere für einen Eindringling halten. Im besten Fall lauten ihre Anweisungen lediglich, verdächtige Aktivitäten zu melden. Wenn Sie ihnen jedoch Waffen und die Befugnis geben, diese einzusetzen, könnte es passieren, dass Ihre beiden Sicherheitsfirmen ihre Waffen gegeneinander richten.
Wie aber kam Chen überhaupt auf diesen Vergleich? Anlass war ein Ereignis aus frühen Jahren, das Chen so beschreibt:
> Ein Kollege aus dem Enterprise-Support-Team untersuchte einen komplexen Fehler bei einem Kunden, und nach eingehender Analyse stellte sich heraus, dass das Problem darin bestand, dass auf dem System zwei verschiedene Anti-Malware-Programme installiert waren. Nennen wir sie Contoso und Fabrikam. Fabrikam rief eine Funktion auf, die Contoso umgeleitet hatte. Die Umleitung von Contoso hielt dies für verdächtig und versuchte daher, den Fabrikam-Prozess unter Quarantäne zu stellen. Leider hatte Fabrikam ebenfalls eine Funktion umgeleitet, die Contoso nutzte. Das Ergebnis war großes Durcheinander, da Contoso schließlich etwas aufrief, das es eigentlich unter Quarantäne stellen wollte.
Eine theoretische Lösung könnte darin bestehen, dass man die beiden Virenscanner miteinander bekannt macht. Oder man könnte versuchen, dass sich die beiden Sicherheitstools nicht in die Quere kommen. Doch das ist nicht so einfach. Oder um es in den Worten von Chen zu sagen:
> Anti-Malware-Software führt typischerweise Vorgänge aus, die nicht offiziell unterstützt werden, wie beispielsweise das Umleiten von Systemfunktionen. Und diese Umleitungen bedeuten, dass der Aufruf einer Systemfunktion nicht mehr die vom System vorgesehene Aktion auslöst; stattdessen wird die Anti-Malware-Software aufgerufen, die möglicherweise etwas ausführt, das nichts mit der Systemfunktion zu tun hat, die Sie eigentlich aufrufen wollten – und diese nicht zum System gehörende Aktion kann ihrerseits Probleme verursachen, beispielsweise durch einen Systemabsturz. Es gibt nicht nur keine einfache Möglichkeit, festzustellen, ob dies geschehen ist – abgesehen von der Fehlersuche in einem tatsächlich fehlerhaften System –, sondern selbst wenn man den Konflikt erkannt hat, gibt es in der Regel keine Möglichkeit, den einzelnen Anti-Malware-Programmen zu sagen, sie sollen „auf ihrem eigenen Terrain bleiben“.
Mit anderen Worten: Entscheiden Sie sich für einen Virenscanner (Die besten Antivirenprogramme für Windows 11 im Test) und nutzen Sie dann nur diesen einen. Wobei der von Windows mitgelieferte Defender eine gute Wahl sein kann: Was ist Microsoft Defender und wie gut schützt er vor Viren und anderen Bedrohungen?