Mac Studio M5 Ultra: Mein Computer gehört wieder mir
Apple hat am Dienstag dieser Woche mal wieder eine Revolution eingeleitet. Nein, keinen gewaltsamen Umsturz mit Regimewechsel, Sturm auf Waffenlager und späteren Nationalfeiertagen, sondern eine Revolution im eigentlichen Sinne: Wir sind, wie nach einem Umlauf der Erde um die Sonne – Revolution genannt – wieder an der gleichen Stelle. Da sich aber die Sonne auf ihrer sehr langen Bahn um das Zentrum der Galaxis erheblich weiter bewegt hat, sind wir doch woanders. Häh?
Ich muss ein wenig ausholen, um diese Analogie zu erklären. Im Jahr 1976 war der Apple I so etwas wie der erste persönliche Computer. Bis dahin waren Computer große Kästen in noch größeren Hallen, die an Terminals bedient wurden, die dicht an dicht in Großraumbüros standen. Führender Hersteller zu jener Zeit: IBM. Ironischerweise hatte im Jahr 1981 der Konzern aus dem US-Bundesstaat New York als Antwort auf die Newcomer von der Westküste seinen ersten persönlichen Computer tatsächlich „PC“ genannt. Apple, ganz PC im Sinne von „politically correct“, schaltete in den Qualitätsmedien jener Zeit ganzseitige Anzeigen, um den neuen Konkurrenten, der aus dem alten Feindbild erwachsen war, im Markt zu begrüßen.
Gleichwohl gab Apple mit Ridley Scotts meisterhaftem Werbespot „1984“ zur Vorankündigung des Macintosh den Kollegen von IBM noch einen mit: Wer außer „Big Blue“ sollte denn dieser „Big Brother“ sein, der vor grauen, anonymen Massennutzern schwadroniert, bis ihm ein Hammer ins Gesicht fliegt?
Der Macintosh war noch viel mehr ein persönlicher Computer als es seine entfernten Verwandten Apple I, II und III sein konnten: ein Computer für jeden und jede, den man sich daheim auf den Schreibtisch stellen konnte, um damit persönliche Dinge zu erledigen, die nicht mehr auf einem Server, also dem Computer eines anderen, gespeichert sein müssten.
Ein paar Tage später – diese 24-stündige Runde der Erde um ihre eigene Achse nennt man Rotation – kam die Cloud, und mit ihr eine Art persönlicher Speicher, der dann aber doch auf dem Computer eines anderen liegt. Man kann Cloud-Anbietern vertrauen, dass sie sich an Gesetze, insbesondere zum Datenschutz, halten und einigen Aufwand bezüglich Sicherheit betreiben. Bei Apple fühle ich mich diesbezüglich doch am wohlsten, zumal die iCloud mir die wichtigsten meiner Daten über mehrere Geräte unterschiedlichster Art abgleicht und ich sie somit fast immer und überall zur Verfügung habe. Aber sie sind natürlich auf den Computern eines anderen abgelegt.
Künstliche Intelligenz geht dann noch einen Schritt weiter: Wann immer ich mit KI zu tun habe, führt sie Algorithmen auch auf den Computern anderer aus, mit Datensätzen von ganz anderen Leuten. ChatGPT, Claude und Gemini erwecken nur den Eindruck, als würden sie auf meinem persönlichen Computer arbeiten. Der auf diese Weise wieder mehr zum Terminal wird, nur dass ich nicht fünf Tage die Woche neben anderen Computernutzern gleich Hühnern auf der Stange in einem Großraumbüro sitze.
Und jetzt kommt es: Auch Apple will seine Kundschaft KI nutzen lassen. Aber eben so weit es geht auf den eigenen Geräten. Klar, selbst das stärkste iPhone ist zu schwach für die wirklich großen KI‑Modelle. Da müssen wir Apple vertrauen, dass unsere Anfragen wirklich anonymisiert sind und keine unserer eigenen Werke in Bild, Ton und Schrift zu Trainingszwecken herangezogen werden. Da aber ChatGPT, Claude und Gemini immer mehr auf dem persönlichen Mac erledigen dürfen, schwindet das Vertrauen ein wenig.
Die Revolution, die Apple diese Woche eingeleitet hat, bedeutet, dass die nächste Stufe des persönlichen Computers erklommen ist: Daten und Algorithmen kommen wieder heim. Denn nichts anderes als eine gewaltige KI-Maschine ist der Mac Studio M5 Ultra, insbesondere in seiner Top-Ausführung mit 16 TB SSD und 512 GB gemeinsamem Speicher für 36 CPU- und 80 GPU‑Kerne. Selbst die größten LLMs lassen sich auf dem Monster von einem Rechner installieren, ausführen und optimieren.
Die Sache hat einen Haken: Die erst ab Oktober verfügbare Top-Konfiguration des Mac Studio M5 Ultra kostet annähernd 30.000 Euro, und für beste Ergebnisse inklusive Ausfallsicherheit sollte man zwei, vier oder gleich acht dieser Geräte kaufen und in den eigenen Serverschrank stellen. Ein eigenes Kraftwerk, von der Sonne oder dem Wind betrieben oder am besten von beiden, samt großzügig dimensioniertem Stromspeicher, wäre zudem recht sinnvoll.
Freiheit kostet manchmal etwas. Andere Leute gönnen sich die Freiheit einer eigenen Jacht im Mittelmeer, die so teuer ist wie ein Haus. Ich träume seit dieser Woche von der Freiheit, die mein eigenes KI-Rechenzentrum bieten würde, das bis unter das Dach mit Mac Studios vollgerammelt ist.
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