Auf den Spuren der Pilze im Steinhorster Wald
„Kurz stehen bleiben und nur gucken.“ Mit diesem einfachen Rat brachte Pilzcoach Katrin Grundmann ihre knapp zehn Teilnehmer am vergangenen Samstag immer wieder dazu, den Blick zu schärfen. Denn wer aufmerksam durch den Wald geht, entdeckt plötzlich Pilze an Stellen, an denen er im ersten Moment gar keine vermutet hätte.
Im Rahmen des Lesesommers der Kulturfreunde Steinhorst hatte Grundmann die interessierten Pilzfreunde eingeladen, gemeinsam „in die Pilze“ zu gehen. Mit Körben und festen Wanderschuhen ausgestattet, startete die Gruppe am Haus auf dem Schmiedeberg und machte sich auf den Weg in ein Waldgebiet Richtung Eldingen. Fachkundig begleitet wurde die Workshopleiterin dabei vom Pilzsachverständigen Wolfgang Kranz.
Dass die Teilnehmer noch einiges lernen konnten, zeigte bereits eine kleine Vorstellungsrunde zu Beginn. Die meisten konnten Steinpilz, Marone und Fliegenpilz einigermaßen sicher bestimmen, bei den vielen anderen Pilzarten herrschte dagegen noch Unsicherheit. Kein Wunder: In unseren Wäldern gibt es Tausende verschiedene Pilzarten, darunter deutlich mehr essbare und genießbare Arten, als viele vermuten würden.
Fotos: Vanessa Deckwer
Dabei hatte es zunächst gar nicht danach ausgesehen, als würde die Pilzwanderung besonders ertragreich werden. Die vergangenen Wochen waren schlicht zu trocken.
Eigentlich hatte Katrin Grundmann in diesem Jahr die Prüfung zur Pilzsachverständigen ablegen wollen. Doch weil es aufgrund der Trockenheit kaum Pilze gab, fiel die Prüfung aus und soll nun im kommenden Jahr stattfinden.
Für Grundmann ist die Beschäftigung mit Pilzen ohnehin längst mehr als nur ein Hobby. Seit 2010, sagt sie, mache sie „ein bisschen mehr mit Pilzen“. Ihre Begeisterung für die Welt im Unterholz begann jedoch schon viel früher. Als Kind war sie häufig mit Oma und Opa in den Wäldern unterwegs. Inzwischen gibt sie unter anderem Volkshochschulkurse und vermittelt Interessierten, wie sich Pilze möglichst sicher bestimmen lassen.
Fotos: Vanessa Deckwer
Gleich der erste Fund auf dem Weg sorgte für eine wichtige Lektion: Ein Kahler Krempling wuchs am Wegesrand. Ein Pilz, der im Landkreis Gifhorn nach Angaben der Pilzkenner regelmäßig für Anrufe beim Giftnotruf sorgt. Für Grundmann ein passender Anlass, die Gruppe noch einmal für den genauen Blick zu sensibilisieren.
Mit etwas Geduld zeigte sich, was der flüchtige Sammler leicht übersieht. Plötzlich wurden die unterschiedlichsten Formen, Farben und Größen gesichtet. Hallimasch, verschiedene Täublinge, Knollenblätterpilze, Stockschwämmchen und viele weitere Arten wanderten in die Körbe und wurden zur genaueren Betrachtung mitgenommen.
Dabei gab es auch praktische Tipps für die angehenden Pilzsammler. Für eine genaue Bestimmung ist es häufig sinnvoll, einen Pilz möglichst vollständig mit Stielbasis aus dem Boden zu nehmen.
Mit einem weit verbreiteten Pilzmythos räumten Grundmann und Kranz gleich auf: Pilze müssten nicht unbedingt abgeschnitten werden, damit sie im nächsten Jahr wieder wachsen. Was im Wald sichtbar ist, ist lediglich der Fruchtkörper – „Wie die Kirsch am Baum.“ Das eigentliche Pilzgeflecht, das Myzel, befindet sich meist unterirdisch im Boden oder im Holz und kann dort über viele Jahre bestehen. „Ob ein Fruchtkörper abgeschnitten oder vorsichtig herausgenommen wird, hat auf das Myzel in der Regel kaum Einfluss.“
Den besonderen „Fund des Tages“ machte Harald Mundil aus dem Teamvorstand der Kulturfreunde Steinhorst, der die Gruppe ebenfalls durch den Wald begleitete. Im Unterholz entdeckte er eine ganze Handvoll echter Pfifferlinge.
Fotos: Vanessa Deckwer
Nach einer ausgedehnten Tour durch den Wald, bei der die Gruppe glücklicherweise keinen Wildschweinen begegnete, ging es schließlich zurück zum Haus auf dem Schmiedeberg. Dort wurden die gesammelten Funde noch einmal ausgestellt und gemeinsam betrachtet.
Zum Abschluss wartete eine ganz besondere Stärkung: Geschäftsführerin Gunhild Posselt hatte eigens das neue „Steinhorster Pilzbrot“ kreiert, das den Teilnehmern als kleiner Imbiss serviert wurde, während andere (ich) sich auf die Suche nach einem (meinem) Handy begaben (erfolgreich)… 🙂
Am Sonntag ging der Lesesommer der Kulturfreunde Steinhorst mit einem Familientag weiter. Hier konnten sich anschließend auch Groß und Klein gemeinsam auf den Weg „in die Pilze“ machen.
_Bericht & Bilder: Vanessa Deckwer_